Einblick: Dorfläden im Praxis-Check



Ein Dorfladen ist eine Einrichtung der ländlichen Nahversorgung, die es in ganz unterschiedlichen Formen gibt: als Konsumgenossenschaft, von Einzelhändlern, als Nachbarschaftsladen oder auch als Hofladen. Heute werden Dorfläden zunehmend von Zweckgemeinschaften wie wirtschaftlichen Vereinen (Schwerpunkt Niedersachsen und Rheinland-Pfalz) sowie der Bürgergemeinschaft (Schwerpunkt in Bayern, Baden- Württemberg, Niedersachsen) betrieben.

Dabei muss allerdings zwischen klassischen Dorfläden und Bürgerläden unterschieden werden. Bürgerläden sind Nahversorger mit Bürgerbeteiligung und lassen sich immer häufiger wiederfinden.

Die Dorfläden haben sich bundesweit in der Bundesvereinigung multifunktionaler Dorfläden (BmD)zusammengeschlossen. Mehr Infos dazu finden Sie unter: http://dorfladen-netzwerk.de/dorflaeden-in-deutschland/baden-wuerttemberg/

Beratung für den Start eines Dorfladen-Projektes kann z.B. beim Programm ‚Gut beraten‘ der „Allianz für Beteiligung“ beantragt werden. Dies nutze beispielsweise das Dorfladen-Café Fessenbach. Die Arbeitsgruppe Dorfladen-Café Fessenbach gründete sich nach einer Bürgerversammlung 2016, Beratung erhielt sie zu Fragen der Standortanalyse und des Betreibermodells. Inzwischen ist auch die Stadt Offenburg in die Unterstützung des Projektes eingestiegen: https://www.stadtanzeiger-ortenau.de/offenburg-stadt/c-lokales/infrastruktur-in-den-ortschaften-staerken_a24732.

Die Gründung eines Dorfladens kann darüber hinaus auch durch eine Förderung des LEADER-Programmsbezuschusst werden, wie der Dorfladen in Leiberstrung, einem Ortsteil von Sinzheim im Landkreis Raststatt: http://www.dorfladen-leiberstung.de/index.php/die-gruendung-des-dorfladens/2-uncategorised/92-dorfladen-leiberstung-begruesst-den-375-000-kunden

Bei einer Gründung als Nahversorgungsgenossenschaft, wie z.B. beim Dorfladen in Bad Boll, hilft der Genossenschaftsverband Baden-Württemberg und gibt u.a. einen Zuschuss in Höhe von 1.500€ für die Gründungsberatung. In Bad Boll ist nach Schließung des Naturkostladens und einer EDEKA-Filiale der Dorfladen der einzige Lebensmittelladen in der Ortsmitte. Eine eigens dafür gegründete Genossenschaft startete das Dorfladenprojekt, das Besorgungen auf kurzem Wege endlich wieder möglich macht. Unterstützt wird dies von der Gemeinde, den Mitgliedern und ca. 100 Menschen, die sich bereit erklärt haben, hier ehrenamtlich mitzuhelfen. Über 700 Anteile der Genossen wurden gezeichnet und so das Startkapital von mehr als 170.000 Euro bereitgestellt. Die Gemeinde bewilligte für den Anfang einen monatlichen Zuschuss in Höhe von 1500 Euro. Außerdem brauchten die Akteure den Segen des Genossenschaftsverbandes, bei dem ein Wirtschaftsplan mit verschiedenen wirtschaftlichen Prognosen vorgelegt werden musste. Vor der Unterzeichnung des Mietvertrags wurde die Genossenschaft in Gründung schließlich noch eingetragen, damit sie voll rechtsfähig ist. Neben den 100 ehrenamtlichen Helfern, wurden bei Eröffnung sieben weitere Verkäuferinnen eingestellt – einige auf 450-Euro-Basis, andere mit 20-Stunden-Verträgen. Verkaufsberater Bernhard Fiderer und sein Team hatten den Markt pünktlich zur Eröffnung bestückt. Den 5.000 Einwohnern werden nun auf 400 qm Handelsware und Naturkost angeboten. Das Sortiment umfasst sowohl das Angebot des ehemaligen Naturkostladens als auch konventionelle Lebensmittel und regionale Produkte. Die örtliche Bäckerei verkauft zudem frische Backwaren. Zum Verweilen und Plaudern lädt eine gemütliche Café-Ecke ein. Dem Vorstand schwebt ein übersichtliches Sortiment vor, das auf die Wünsche der Kunden eingeht. Dazu entwickelten sie eine kreative Idee: es wurde eine Tafel aufgestellt, „auf der die Kunden mit Kreide vermerken können, was sie gerne möchten“. Der Laden heißt dabei alle Bürger willkommen, also auch diejenigen, die keine Genossenschafter sind. Dadurch wird der Laden seinem Anspruch gerecht: Nicht nur Laden – auch ein sozialer Treffpunkt sein. Wert legt der Vorstand auch darauf, dass der Bringdienst durch den ‚Boller Wagen‘, ein Lastenfahrrad, mit dem Einkäufe geliefert werden, ausgebaut wird. Auch eine Fahrradrikscha ist geplant. Man darf gespannt sein, was sich Dorfladen in Bad Boll noch so einfallen lassen wird.

Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, finden Sie auf den Seiten des SWR auch einige Videos: https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/stuttgart/boll-dorfladen-106.html

Was denken Sie? Können die Bad Boller für die Nahversorgung in unserer Region sein? Diskutieren Sie in den Kommentaren mit!

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